Was muss Software bieten, um energiewirtschaftliche Prozesse in Wohnungsunternehmen zu integrieren?

Mieterstrom – Die Lokale Energiewende Wirtschaftlich nutzen

Dieser Artikel ist erschienen im Magazin Wohnungswirtschaft im Westen Ausgabe #6 2019 (Digitale Version) .

Die Reduktion der CO2 Emissionen ist eine der gesellschaftlich dringlichsten Aufgaben unserer Zeit. Sie stellt alle Branchen unseres Wirtschaftssystems vor große Herausforderungen, bietet aber gleichzeitig große wirtschaftliche Chancen für einzelne Unternehmen.

Dabei kann die Immobilienwirtschaft eine Schlüsselrolle einnehmen, indem sie Potenziale zur Installation dezentraler Erzeugungsanlagen erschließt (z. B. PV- oder KWK-Anlagen) und zudem den direkten Zugang zu den Kunden für lokale Energieservices nutzt. Das ist sicherlich noch Neuland für die Branche.

Mieterstrom – Großes Potenzial, noch geringe Nutzung

Mit Einführung des „Mieterstromgesetzes“ am 25. Juli 2017 besteht ein Gesetzesrahmen, mit dem die Versorgung von Hausbewohnern mit lokal erzeugtem Strom geregelt ist. In Abhängigkeit der Größe einer PV-Anlage und weiterer Randbedingungen wird eine Förderung gewährt. Wesentliche Treiber für das Angebot von „Lokalstrom“ sind zudem wirtschaftliche Vorteile wie geringere Steuern und Netzentgelte. In einzelnen Regionen bestehen weitere Förderprogramme. Unter dem Strich ergibt sich so für eine große Zahl an Gebäuden eine Win-win-Situation für Eigentümer und Mieter. Nicht nur wirtschaftlich, d.h. durch Erhöhung der Rendite der Immobilie, sondern auch ökologisch. Allerdings läuft die Realisierung, gemessen am Gesamtpotenzial von bundesweit 3,8 Mio. Wohnungen, noch schleppend. Viele Unternehmen stehen in den Startlöchern, aber der Fördertopf ist nur zu einem Bruchteil ausgenutzt. Die Gründe liegen vor allem in der Komplexität der Umsetzung.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Obwohl die Herausforderungen für sich genommen alle lösbar sind, schrecken viele Unternehmen noch vor dem Aufbau solcher neuen Geschäftsfelder zurück. Dabei ist ein einfacher Einstieg bereits durch die Nutzung von Energiedienstleistern möglich, die die Abwicklung vollständig übernehmen können.

Wer sich als Immobilienunternehmen oder Genossenschaft selbst auf den Weg macht, den Mietern ein lokales Stromangebot zu machen, muss sich mit einigen Bedingungen und Pflichten auseinandersetzen wie z. B.:

  • Messkonzept für die Anlage

  • Reporting und Datenmanagement für Abgaben, Erstattungen etc.

  • Abrechnung von Energiebeschaffung und -Lieferung.

Neben organisatorischen Aufgaben sind steuerrechtliche Aspekte zu bedenken. Viele privat organisierte Unternehmen haben daher bereits Energietöchter gegründet oder planen dies für neue Energiedienstleistungen. Wohnungsbaugenossenschaften mit Sonderregeln müssen darauf achten, ihre Steuerbefreiung nicht zu gefährden.

Also lieber Finger weg vom Thema? Nein – gerade privatrechtlich organisierte Unternehmen mit Gebäudebeständen hoher Belegungsdichte sollten jetzt die Chance ergreifen. Dabei gilt es aber auch die praktische Umsetzbarkeit im Unternehmen zu achten. Wichtigstes Werkzeug dabei ist sicherlich die verwendete Software und damit verbunden grundsätzlich deren Handhabbarkeit. Als Grundvoraussetzung ist die geeignete Schnittstelle zum vorhandenen ERP-System zu gewährleisten. Diese sollten flexibel und an die Wertschöpfungstiefe des Unternehmens anpassbar sein.

Zur einfachen Anwendung sollten eine intuitive Benutzeroberfläche und Menüführung sowie die automatisierte Erstellung von Formularen möglich sein. Auf einen hohen Automatisierungsgrad der integrierten energiewirtschaftlichen Prozesse sollte geachtet werden, denn das wirkt sich unmittelbar auf die Kosteneffizienz aus.

Um die zuvor genannte Komplexität zu beherrschen, gibt es im Markt bereits einige Softwarelösungen. So kann sich die Wohnungswirtschaft auf ihre Stärke fokussieren: Den Mietern im Rahmen nachhaltiger Geschäftsmodelle Mehrwerte bieten – und so gleichzeitig die urbane Energiewende vorantreiben.